Montag, 4. Januar 2016


WÜTENDE BÜRGER 

    Er brach den Hals des Bank-Managers, der ihm die faule Hypothek angdreht hatte. Es war in einer Samstagnacht, als dieser nach einem Abendessen des Vorstands der Bank nach Hause kam. Er hätte es lieber Rodrigo Rato angetan, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der „Bankia“ bei den katastrophalen Ereignissen im Jahr 2010, aber die 24-Stunden-Bewachung, die eine so elende Person hat, verunmöglichte dies. 

Eine Woche später, mitten im medialen Schock der Hypothese eines möglichen Wiederauflebens des fast vergessenen Terrorismus, handelte W.B. wieder. Diesmal warf er den Richter, der das Zwangsräumungsurteil gegen seine Schwester gefällt hatte, die darauf wegen dieses Traumas Selbstmord beging, aus dem Fenster im sechsten Stock des Opernhauses. Seine Schwester hatte sich vom Balkon gestürzt nachdem sie ihr Haus verloren hatte. Zuvor, welch unheilvoller Spott des Schicksals, hatte auch sie ihre Arbeit verloren. 

Als die Polizei und die Nachrichtendienste anfingen, terroristische Organisationen hinter diesen Ereignissen auszuschliessen, erschien eine erschreckende Geschichte in den Tageszeitungen: jemand hatte auf einem Friedhof in Galizien das Pantheon der Familie Rajoy geschändet, als ob er wollte, dass der Geist ihrer Vorfahren die Schamlosigkeit ihrer Handlungen sehen könne; nämlich die Begünstigung und die eigenen Vorteile, mit denen der Ministerpräsident von Spanien seine Freunde in den betrügerischen Banken gerettet hatte, während er gleichzeitig seine Bürger zur Armut verurteilte. 
















W.B. war zufrieden. Er hätte seine Rache gerne durch Sprengung der Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt und des IWF in Washington ergänzt, aber das wäre „eine Nummer zu gross“ für ihn gewesen. Er wusste, dass er früher oder später festgenommen würde, aber das war ihm jetzt egal; seine Seele fühlte sich wiederbelebt und wohl. Sie hatte nun die ersehnte Ruhe. 

Er legte sich auf die Wiese des schönen Tempels Debod im Herzen von Madrid. Er öffnete eine frische Dose „Mahou“ Bier und fing an, sich an früher zu erinnern, als er Texte von Konfuzius las und noch Hoffnungen in diesen bewunderns-werten pazifistischen Spruch setzte: „Wer seinen Zorn beherrscht, beherrscht seinen schlimmsten Feind”. Leider wurde in diesen turbulenten Zeiten der alte Meister seiner Erkenntnis beraubt.

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