Mittwoch, 6. Januar 2016


FLUGZEUGE 2 

    Die Qual hat in Flugzeugen keinen Fluchtweg. Wenn du dich entscheidest, dem digitalen Angebot auszuweichen, können die geistigen Nebenwirkungen unvorhersehbare Folgen haben. Die bisher zum Glück begrenzte Verwendung von iPhone, iPad, Tablet, Handy und Ersatzmitteln bereichert die visuell oder taktil wahrnehmbare zwischenmenschliche Kommunikation nicht wirklich. Nur der Geruchs- und Geschmacksinn erleben beim Öffnen der Alu-Boxen mit dem Menü eine kurzlebige Interaktion. Die Anregung der Sinne ist in der Regel auf diese Blechbox beschränkt. Das Lesen der Presse verbessert die rauhe klimatische Atmosphäre auch nicht. Die Welt ist weiterhin ekelerregend: bewaffnete Konflikte, Waffenverkäufe, Sozialabbau, immer fettere Vermögen der Reichen, immer dürrere Gerechtigkeit und magereres Glück der Armen. Schliesslich erreichst du die Sportnachrichten: die unverschämte FIFA und das Profitdenken im Profisport stinken schrecklich. Dazu auch dies: die Fussballmanschaft deiner Seele – das wenige, was dir noch bleibt – hat wieder verloren, diesmal durch eine Torflut. 

Du faltest abrupt die Zeitung zusammen und versuchst so, deinem Ärger Luft zu machen. Für einen kurzen Moment wallt Galle in deinem Verstand: du würdest am liebsten diesen ganzen verdammten, verarschten Planeten aus dem Antlitz des Kosmos eliminieren. 

Da nähert sich eine Flugbegleiterin mit einem „28-Grad- Golden- Beach-Lächeln“, sie bietet dir ein Glas Mineralwasser und ein Schmunzeln an, du akzeptierst es mit Entzücken. Versuchst, deinen Rücken auf dem schmalen Sitz zu platzieren, dehnst deine Zehen im engen Schuh und denkst wie Juan Villoro: „Du bist so unzufrieden mit der Realität der Welt, dass dir Flugzeuge bequem erscheinen“. 





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