Mittwoch, 6. Januar 2016


QI 

    Er streckte seine Finger, öffnete die Hände, hob die Arme zum Himmel, senkte sie wieder. Wölbte die Brust, öffnete beide Arme seitwärts, auf der Suche nach dem Regenbogen, balancierte in seinen Farben, liess sich an den Wolken hängen, spielte mit ihnen bis sie verdampften.
In einem ruhigen See fing er an zu rudern – eine unendliche Trance. Steuerte das Boot in Richtung Sonne und kam bis zu ihr, streichelte ihr sanftes gekrümmtes Profil, hob ihren Schattenriss auf Schultern und tanzte mit ihr. 

Es erschien der Mond, um die Feier von seinem hohen Blickwinkel aus anzuschauen. Auch er tanzte und bewegte seine weisse Figur in leuchtender Ekstase. Ein grössere Anzahl von Tänzern schloss sich freudig an, jubelnd in voller geistiger Symbiose; Wolken ritten entzückt rund um das Ereignis herum; ein weiterer schön strahlender Mond tauchte mit sorgfältiger Zartheit aus dem Wasser auf, auf dem Rücken eines eleganten Tigers – ein erhabenes Schauspiel jenseits jeder Definition. Er warf ihn, den Mond, mit dem gepolsterten Teil seiner kräftigen Pranken immer und immer wieder in die Höhe. 

Auf dem anmutigen Wellengang des Wassers flog eine Taube über den Schaum. Auf halber Höhe der lockere Flug einer Wildgans. Oben, in der endlosen Vertikalität des Himmels der spektakuläre Flug eines prächtigen Adlers. Unten am Horizont des Landes schläft der Regenbogen, die Windmühlen flattern im Sonnenuntergang. 

Von der Wiese aus beobachtet ein Kind das gleichmütige Drehen der Windmühlenflügel, während es mit einem Ball spielt. Dieselben Hände, die in wenigen Augenblicken entspannt den Vorhang dieser Zeremonie zuziehen werden, senken sich auf beiden Körperseiten nach unten: „Beruhigung des Qi“. 

Eine Feier des inneren Friedens, morgen, um die gleiche Zeit, wird sie wiederkehren. 



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