Mittwoch, 6. Januar 2016


FLUGZEUGE 1 

    Das grösste Glaubensbekenntnis lege ich auf der Treppe eines Flugzeugs ab. Ich versuche an das Unglaubliche zu glauben, ich bete alle Götter und göttlichen Retter an, ohne übermässige Zuversicht. Wenn ich durch die Türe des Flugzeugs steige, schiesst mein Blutdruck auf 200 hoch – an die Grenze des „kritischen Zustands“, in dem Gehirn oder Herz sich in flüchtigen Momenten in explodierende Würstchen verwandeln könnten. Das Hochsteigen dieser Treppe kann sich in einen heroischen Akt transformieren, zum Beweis, dass die schlimmsten Prognosen meines geistigen Vermögens nicht richtig waren. Die Möglichkeit, dass ich nie wieder auf die feste Erde zurückkehren könnte, um hier meine letzten Lebensseufzer abzugeben, multipliziert das Martyrium meiner Ängste. Der Metallvogel wird zu einer Art Fegefeuer, ähnlich dem Warteraum eines Zahnarzts, wo man nie weiss, ob er die Seele herausnehmen wird oder einfach nur einen Zahn. 

Die Eventualität, dort oben zu verschwinden, weckt in mir Hoffnung auf die Wahrscheinlichkeit des Jenseits; eine Gelegenheit sich dort als Kakerlake, Huhn oder, einen flüchtigen Sommer lang, als Schmetterling zu entwickeln. Dann bitte ich, inständiger als sonst, um einen Nachtrag zu dieser geringfügigen Existenz. 

Diese Widersprüchlichkeit lässt mich nicht in Ruhe und mitten im Flug, wenn wir das Dach des Himmels berühren, erinnere ich mich oft an den „Christus des Elqui“, diese Figur im Buch „El arte de la resurrección“ von Hernán Rivera Letelier. Ich wünsche aus dem Innersten meines Geistes, mich zerlumpt, durstig und einsam in jenen Gegenden der chilenischen Salpeterwerke in der Atacama- Wüste zu befinden. 

Der Abschied vom Leben in einer Wüste ist dem in einem Flugzeug vorzuziehen: er ist langsamer. 


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