Mittwoch, 6. Januar 2016

VISZERALE LIEBE 

Sie hatte einem Liebhalber namens Ludivino erzählt:
„Ich liebe deine Lippen, aber noch mehr fasziniert mich dein Herz.“ 

Er beobachtete ihr Gesicht wie eine gedankenverlorene Nachtigall. Mit einer Geste der Verwunderung gelang es ihm zu sagen:
„Süss!“ 

Sie dachte, sie habe ins Schwarze getroffen und schlug, ohne zu zögern, ein weiteres Treffen in dieser Woche vor.

Er kreuzte nie auf. 

Sie hatte einen guten Kontakt zu einem freundlichen Metzger. Kaufte sich ein Schweineherz, dem des Menschen anatomisch ähnlich, und hinterlegte es sorgfältig verpackt als Geburtstagsgeschenk im Milchkasten des Hauses Ludivinos. 

Nach vier Tagen, am Morgen, vor einer dampfenden Tasse Kaffee, verschlang sie Zeitungsnachrichten, kam zu den Todesanzeigen. Sie erstarrte! Da war der Namen eines jungen Mannes: Ludivino Sanchez!

Die Schuld überwältigte sie. Sie hatte eine schreckliche Gewissheit: 

Die, dass der junge Mann nicht aus Liebe gestorben war! 


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