Mittwoch, 6. Januar 2016


BLATT 

    Das Blatt löst sich im Herbst vom Baum, wie in einem rituellen Akt der Emanzipation. 

Schon gestorben oder vielleicht noch nicht ganz – ein Geheimnnis, in dem die Biologie keine Antwort auf die Mystik findet – entscheidet es sich, zusammen mit anderen Blättern am Fusse der vielen Bäume, die sein Leben begleitet hatten, zu bleiben.
Der Wind verteilt seine Schönheit und Farbe über das Gras, ähnlich wie Bienen, die mit Pollen Leben verbreiten. 

Das Blatt wirbelt durch die Wiesen, lässt sich aufwischen und abschleppen, ohne jeglichen Widerstand. 

Gelegentlich spazieren sanftmütige Menschen im Wald, nehmen eines mit, es wird dann säuberlich gepresst für immer unsterblich bleiben. 



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