Montag, 4. Januar 2016


BAUSTELLE 



Ich war regungslos
wie die Seiten eines vergangenen Kalenders

ungeschützt, wie die Äste der Bäume im Winter
ich denke an die „Morgen“, die nie kommen werden

so wie auch das Ende der Wüste nie kommt
noch das der verheerenden Panik an Abgründen. 


Diese „Morgen“, die man uns immer versprochen hat
vielversprechende himmlische Absichten
voll von Arbeit und Effizienz
Trugbilder, die nie erschienen. 


Und es hetzte mich der verfluchte Stachel der Gegenwart
mit seiner obsessiven Wiederholung des Unsinns
jenes gnadenlose Lynchen
das Barbecue des verrückten Kapitalismus

die Ideologie des Aussehens und der Verpackung
mit einer übersättigten Welt und einer weiteren am Sterben

in diesem riesigen Gefängnis der Gleichgültigkeit. 

Nur die Vergangenheit, in einem schmalen Fluss befreiter Erinnerung,
beruhigte meine Absenzen. 

Und nicht vergeblich, verwirrt ob all der Unstimmigkeiten
war ich wie ein Andachtsbild versprochener Orte
wie eine Madonna, die nie blinzelt
es regnete sanftes Licht inmitten des Nebels

wie das Klopfen eines Herzens
das irrtümlicherweise für tot erklärt wurde. 



Dieser Herzschlag war das makellose Eintreten eines Wunders
neue Wasser unerwarteter Quellen
wie die Freude auf einen kommenden Frühling
vom Exil des Winters zurückkehrend. 


In diesem zerbrechlichen Hoffnungsschimmer
im pulsierenden Atem meines Herzens
fühlte ich den Auftakt zu einer neuen Reise

eine unbeachtete Herausforderung
in der Mitte des Wellengangs:
Der Aufbau einer Welt aus den Ruinen der anderen

ein herkulisches Ansinnen
um das Ende des Weges zu verlängern. 


In einem betrunkenen Anflug von Enthusiasmus
fing ich an zu tanzen und zu schreien
die Mattigkeit meiner Fassade zu glänzen
und die Trümmer meines Ichs aufzurichten

mit der gleichen Arglosigkeit
mit der ein Kind seinen Rucksack trägt. 


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