Mittwoch, 9. Dezember 2015


DIE HÄRTESTE DROGE 

    Neo-Junkies tragen keine zerlumpten Kleider, noch betteln sie nach Münzen für die nächste Spritze – sie haben keine Notwendigkeit, Wut oder Dankbarkeit mitzuteilen. Auch wenn einige Designerdrogen den Sturm der nächtlichen Partys überleben, das System braucht die Verteilung von harten Drogen nicht mehr. Die Technologie hat die ideale Lösung zur Verfügung gestellt.
Neo-Junkies schreien nicht, schauen niemanden an. Sie sind gut gekleidet wie Laufstegmodels – beäugen ständig ihre Silhouette in der Spiegelung der Fenster von Zügen und Schaufenstern. Neo- Junkies sind ewig am Smartphone angeschlossen, wie Kranke im Endstandium an der Maschine, die sie am Leben hält. Verlieren sie das Gerät, kollabieren sie.

Der Fall eines Heroinsüchtigen war viel langsamer. In der Härte dieser höllischen Qualen konnte man immer noch letzte Spuren einer erschöpften Menschheit erkennen.
Wenn einer aus dieser jungen neuen Generation zu fallen beginnt, stelle ich mir einen plötzlichen Sturz vor, ein trockenes Geräusch, wie wenn ein Strohballen aufs Trottoir fällt. Niemand wird etwas bemerken, niemand wird etwas gehört haben.



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