SCHÄTZE
Ich habe den Virus
in Bettlaken gewickelt
die Angst
im Ofen verbrannt
die Neurosen
in der Waschmaschine
die Lügen
befinden sich in Urlaub
meinen Ärger
meditiert
den Zorn
schlafend im Bett
die Ideen
wärmen sich in der Sonne
das Lächeln
schaukelt auf dem Ast
Mittwoch, 28. Dezember 2016
Dienstag, 27. Dezember 2016
Montag, 19. Dezember 2016
Donnerstag, 15. Dezember 2016
LUFTBLASEN
Goldene Blasen
betrachten mich
unruhig
Eifersüchtig
auf die Zeit
die ich mit dir verbringe
Prickeln begierig
und tauchen
in meinen Bauch ein
Meine Zunge badet
im erfrischenden Schaum
eines blonden Biers
Ich brauche eine heisse Insel
um sie deinen eiskalten Füssen
zu schenken
Mit einem kristallklaren Meer
wo deine Ängste
schwimmen
Und eine strahlende Mittagszeit
um die Blässe meiner Gedichte
zu sonnen.
Goldene Blasen
betrachten mich
unruhig
Eifersüchtig
auf die Zeit
die ich mit dir verbringe
Prickeln begierig
und tauchen
in meinen Bauch ein
Meine Zunge badet
im erfrischenden Schaum
eines blonden Biers
Ich brauche eine heisse Insel
um sie deinen eiskalten Füssen
zu schenken
Mit einem kristallklaren Meer
wo deine Ängste
schwimmen
Und eine strahlende Mittagszeit
um die Blässe meiner Gedichte
zu sonnen.
Sonntag, 4. Dezember 2016
DIE LIEBENDEN
Er liegt am Strand, lauscht dem Atem der Wellen
empfängt hingebungvoll den Beschuss der Sonnenstrahlen.
Im Schiff nähert sie sich, springt über die Wellen,
mit der seidenen Kadenz, über die Tänzerinnen verfügen,
wie zarte Noten, vom einem Orchester gestreichelt.
Mit einem Teppich aus Schaum
verströmt sie ihre Liebkosungen für dich
übergibt dir den Geschmack ihrer Ankunft
Du flüsterst eine süsse Melodie auf ihre blassen Poren.
Ihr pochendes Blut zerreisst die Venen,
mischt sich begeistert mit den Luftblasen
legt sich bereit für die Begegnung.
Ihre Füsse betreten den Sand
während sein Körper in ihrer Umarmung schmilzt
mit dem Gähnen der letzten Welle und dem Schlaf der Ebbe.
Dann, unzertrennlich in einer einzigen Silbe „Salz“
werdet ihr ein kostbares Fest der Stille geniessen
WIR SIND
Wir gehören uns und niemandem
ich will und will nicht
Zusammenkommen und Abschied
Zittern der Hand
wir sind blass in der Nacht
Laken und Kissen
Liebe und Lust am Mittag
Vers und leere Seite
Wahrheit und Stille
Erbe und Erfindung
Genie und Unsinn
Herzlichkeit und Gejammer
Vernunft und Wahnsinn
Geist, Knochen und nichts
Von denen, die uns bewundern, die Augen
für diejenigen, die sich an uns erinnern, der Gedanke
von denen, die auf uns warten, das Begehren
Leidenschaft, Magie, Wunder
Schönheit, Sinn, Grund
für die, die uns lieben, das Herz.
Wir gehören uns und niemandem
ich will und will nicht
Zusammenkommen und Abschied
Zittern der Hand
wir sind blass in der Nacht
Laken und Kissen
Liebe und Lust am Mittag
Vers und leere Seite
Wahrheit und Stille
Erbe und Erfindung
Genie und Unsinn
Herzlichkeit und Gejammer
Vernunft und Wahnsinn
Geist, Knochen und nichts
Von denen, die uns bewundern, die Augen
für diejenigen, die sich an uns erinnern, der Gedanke
von denen, die auf uns warten, das Begehren
Leidenschaft, Magie, Wunder
Schönheit, Sinn, Grund
für die, die uns lieben, das Herz.
SONAMARES
BUCH DER LIEBE
„So viel Zittern der Quellen gibt es in deinem Mund,
wenn ich dich küsse, um mich selbst zu finden.“
Pablo Guerrero
„So viel Zittern der Quellen gibt es in deinem Mund,
wenn ich dich küsse, um mich selbst zu finden.“
Pablo Guerrero
ZIEL
Wie auch immer,
wenn dieses Dilemma für jemand
Spanisch oder nach prähistorischem Wahnsinn klingt
schlage ich eine dynamischere Option vor
die Suche nach einem anderem Ziel:
Wir schliessen uns einem Marathon an!
42195 Meter Mut und Herausforderung!
Bis heute habe ich noch immer
eine ewige und ermüdende Frage:
Warum solch eine Qual?
Wenn obendrein das Ziel
dieses schöne feine Plastikband
der Gewinner längst zerrissen hat.
Ein Fragment eines Flamenco-Liedes sagt:
„Wenn du etwas wünschst, scheint es dir eine ganze Welt zu sein,
wenn du es erreichst, ist es nur Rauch.“
Wie auch immer,
wenn dieses Dilemma für jemand
Spanisch oder nach prähistorischem Wahnsinn klingt
schlage ich eine dynamischere Option vor
die Suche nach einem anderem Ziel:
Wir schliessen uns einem Marathon an!
42195 Meter Mut und Herausforderung!
Bis heute habe ich noch immer
eine ewige und ermüdende Frage:
Warum solch eine Qual?
Wenn obendrein das Ziel
dieses schöne feine Plastikband
der Gewinner längst zerrissen hat.
Ein Fragment eines Flamenco-Liedes sagt:
„Wenn du etwas wünschst, scheint es dir eine ganze Welt zu sein,
wenn du es erreichst, ist es nur Rauch.“
Freitag, 11. November 2016
WEG UND ZIEL
Die Wahrheit kann umständlich und ärgerlich sein.
Das Ziel, hören wir oft und immer wieder, ist der Weg,
ääh..... der Weg?
Der Weg soll Freude machen, aber manche wollen das nicht und
viele können es nicht.
Der Weg kann Tortur, Schulden, schlaflose Nächte bedeuten,
Stress, Verlust des Arbeitplatzes, Verzweiflung und Kreuzigung
sein.
Die Wahl der Wege kann lange und steinig sein.
Der Weg ist wie eine ermüdende Reise mit dem Flugzeug,
die viele vermeiden möchten und gerne einen Privatjet wie Mick
Jager oder Lady Gaga besässen.
Das Ziel bereits in der Hand: das iPhone, um Orte zu
fotografieren, die unsere blossen Augen nicht zu schätzen wissen
und in der Lage zu sein, unseren Urlaub mit jenen zu teilen, die
5000 Kilometer entfernt sind.
Unsere Gesellschaft hat sich in der Frivolität eingerichtet: es gibt
zu viele Menschen, die eine Welt zu geniessen scheinen, in der
Zeit und Distanz nur hinderlich sind. Die Zeit ist eine Mangelware,
eine Ware, die niemand besitzt, die Distanz erfordert unnötige
Reisen – daher die Notwendigkeit eines Privatjets...
Wir leben in einer grotesken Welt, spezialisiert auf die Schaffung
von Wünschen, die so überflüssig wie lächerlich sind.
Aber: „Achtung“, werden viele Leute sagen, „das iPhone.“
„Sei nicht so ein Prediger oder Moralist!
Er oder sie verwendet es nur sehr sparsam!
Und der oder die andere nur sehr selten!
Das machen doch nur die Jugendlichen!“
Ich denke: „Klar, die Jugendlichen!
Die Jugendlichen, das sind immer mehr,
jetzt auch schon diejenigen um 65!“
Die Wahrheit kann umständlich und ärgerlich sein.
Das Ziel, hören wir oft und immer wieder, ist der Weg,
ääh..... der Weg?
Der Weg soll Freude machen, aber manche wollen das nicht und
viele können es nicht.
Der Weg kann Tortur, Schulden, schlaflose Nächte bedeuten,
Stress, Verlust des Arbeitplatzes, Verzweiflung und Kreuzigung
sein.
Die Wahl der Wege kann lange und steinig sein.
Der Weg ist wie eine ermüdende Reise mit dem Flugzeug,
die viele vermeiden möchten und gerne einen Privatjet wie Mick
Jager oder Lady Gaga besässen.
Das Ziel bereits in der Hand: das iPhone, um Orte zu
fotografieren, die unsere blossen Augen nicht zu schätzen wissen
und in der Lage zu sein, unseren Urlaub mit jenen zu teilen, die
5000 Kilometer entfernt sind.
Unsere Gesellschaft hat sich in der Frivolität eingerichtet: es gibt
zu viele Menschen, die eine Welt zu geniessen scheinen, in der
Zeit und Distanz nur hinderlich sind. Die Zeit ist eine Mangelware,
eine Ware, die niemand besitzt, die Distanz erfordert unnötige
Reisen – daher die Notwendigkeit eines Privatjets...
Wir leben in einer grotesken Welt, spezialisiert auf die Schaffung
von Wünschen, die so überflüssig wie lächerlich sind.
Aber: „Achtung“, werden viele Leute sagen, „das iPhone.“
„Sei nicht so ein Prediger oder Moralist!
Er oder sie verwendet es nur sehr sparsam!
Und der oder die andere nur sehr selten!
Das machen doch nur die Jugendlichen!“
Ich denke: „Klar, die Jugendlichen!
Die Jugendlichen, das sind immer mehr,
jetzt auch schon diejenigen um 65!“
DISKREPANZ
Der Verstand ist ein Begriff,
der so verworren wie fehlerhaft ist
und das Herz ein Gerät, so unberechenbar wie wankelmütig.
Schlägt der Verstand eine Gewissheit vor,
ist das Herz nicht einverstanden.
Taucht aus dem Herzen ein Gefühlausbruch auf,
anästhesiert ihn der Verstand.
In dieser Kluft zwischen Erwünschtem und Zufälligem,
dem Rationalen und dem Erstaunlichen, gewinnt manchmal das
Herz...
Blaise Pascal sagte: „Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht
versteht.“
EGO
Das Ego ist ein ähnliches Phänomen wie die Schwankungen des
Aktienmarktes. Wenn die Börse steigt und an einigen Orten dieses
Planeten die Märkte vor Freude springen, bleiben doch weiterhin
Millionen von Menschen arm.
Wenn das Ego unserer Weisheit und unseres Selbstgefallens
übermässig steigt und es sich auf dem Thron bequem macht, sinkt
Mitmenschen. Ein Teil dieser Welt braucht weniger narzisstisches
und mehr ausgewogenes Verhalten.
Das Ego kann auch still werden, meditieren, wandern, Yoga, Tai
Chi oder Pilates machen.
Chi oder Pilates machen.
ALTER
Der Knorpel verschleisst sich, die Muskeln werden weicher
gereizte Nerven, schmerzende Knochen
wir vergessen Dinge…
Wir kommen in der Reife des Lebens an
die viele mit dem Alter gleichsetzen.
Das wahre Altsein jedoch ist Sturheit
oder reine zügellose Negativität
wenn wir denken, dass alles gesagt ist
und wir nicht bereit sind, noch etwas zu lernen
hören wir durch eine Art geistigen Abbaus auf
empfänglich zu sein
und in der Folge weigern wir uns
unsere Ansichten zu ändern.
Der Knorpel verschleisst sich, die Muskeln werden weicher
gereizte Nerven, schmerzende Knochen
wir vergessen Dinge…
Wir kommen in der Reife des Lebens an
die viele mit dem Alter gleichsetzen.
Das wahre Altsein jedoch ist Sturheit
oder reine zügellose Negativität
wenn wir denken, dass alles gesagt ist
und wir nicht bereit sind, noch etwas zu lernen
hören wir durch eine Art geistigen Abbaus auf
empfänglich zu sein
und in der Folge weigern wir uns
unsere Ansichten zu ändern.
FREIHEIT
Wir verschwenden zu viel Zeit damit, uns zu wiederholen
wie das Läuten der Kirchenglocken
die das Glaubensbekenntnis, das uns stützt, bekräftigen sollen
wie ein persönliches unbewusstes Evangelium
das unsere Vernunft schützt.
Wenn wir noch nicht bereit sind, verbrannt zu werden und
wir danach streben, noch eine Weile auf dieser Welt zu leben
müssen wir uns grosszügig anstrengen.
Gandhi sagte: „Um nicht blind zu werden,
muss man anfangen, nicht taub zu sein“,
zuhören, lernen, empfänglich sein…
Das erfordert eine Technik voller Stoizismus:
„das Erweitern unserer Dimensionen der Freiheit“,
eine herkulische Aufgabe in den Zeiten, in denen wir leben!
Wenn wir unsere Tempelwände verkleinern
und der Langlebigkeit den Durchgang erleichtern wollen,
ist das Thema unvermeidlich:
es gibt weder einen anderen Weg noch ein anderes Leben
Wir verschwenden zu viel Zeit damit, uns zu wiederholen
wie das Läuten der Kirchenglocken
die das Glaubensbekenntnis, das uns stützt, bekräftigen sollen
wie ein persönliches unbewusstes Evangelium
das unsere Vernunft schützt.
Wenn wir noch nicht bereit sind, verbrannt zu werden und
wir danach streben, noch eine Weile auf dieser Welt zu leben
müssen wir uns grosszügig anstrengen.
Gandhi sagte: „Um nicht blind zu werden,
muss man anfangen, nicht taub zu sein“,
zuhören, lernen, empfänglich sein…
Das erfordert eine Technik voller Stoizismus:
„das Erweitern unserer Dimensionen der Freiheit“,
eine herkulische Aufgabe in den Zeiten, in denen wir leben!
Wenn wir unsere Tempelwände verkleinern
und der Langlebigkeit den Durchgang erleichtern wollen,
ist das Thema unvermeidlich:
es gibt weder einen anderen Weg noch ein anderes Leben
NACHHALTIGE KOMMUNIKATION
An jedem Tag, der vergeht, bekennen wir uns, mit der
Gleichmässigkeit eines Mantras, zur Notwendigkeit einer
nachhaltigen Wirtschaft, um den Untergang der Welt zu
vermeiden.
Auch beim sprachlichen Ausdruck brauchen wir ein nachhaltiges
Vorgehen. Weder verfügt die Person, die am meisten spricht, über
grösseres Wissen, noch haben diejenigen, die am lautesten
schreien, mehr Grund dafür als andere.
Die Welt ist müde von unerträglichen Schwätzern und vom
Mangel an Menschen, die bereit sind zuzuhören. So wie der
Glaube das Gebet braucht, brauchen wir eine dialogische
Biodiversität.
Die Sprache ist das Rückgrat unseres Systems und ihre
gleichmütige und interaktive Aufrechterhaltung eine wesentliche
Notwendigkeit. Wir müssen sie von den Knebeln der
Wortschwälle und Anhäufungen befreien.
Die Kommunikation lebt von der Bereitschaft zuzuhören
…deiner und meiner
…von dem, das kommt und dem, das geht
wie die Bewegung einer Schaukel…
An jedem Tag, der vergeht, bekennen wir uns, mit der
Gleichmässigkeit eines Mantras, zur Notwendigkeit einer
nachhaltigen Wirtschaft, um den Untergang der Welt zu
vermeiden.
Auch beim sprachlichen Ausdruck brauchen wir ein nachhaltiges
Vorgehen. Weder verfügt die Person, die am meisten spricht, über
grösseres Wissen, noch haben diejenigen, die am lautesten
schreien, mehr Grund dafür als andere.
Die Welt ist müde von unerträglichen Schwätzern und vom
Mangel an Menschen, die bereit sind zuzuhören. So wie der
Glaube das Gebet braucht, brauchen wir eine dialogische
Biodiversität.
Die Sprache ist das Rückgrat unseres Systems und ihre
gleichmütige und interaktive Aufrechterhaltung eine wesentliche
Notwendigkeit. Wir müssen sie von den Knebeln der
Wortschwälle und Anhäufungen befreien.
Die Kommunikation lebt von der Bereitschaft zuzuhören
…deiner und meiner
…von dem, das kommt und dem, das geht
wie die Bewegung einer Schaukel…
VERBALE INKONTINENZ
Ich weiss, dass du sprechen kannst
ungehemmt wie ein reissender Strom
Anhäufung von Kenntnissen
schmückt deine Geschwätzigkeit
du wiederholst dein Geplapper
mit der Beharrlichkeit eines Papageis
das Trampeln deiner Angst
wurde unbewusste Gewohnheit
und deine gefrässige Beredsamkeit
die Qual deiner Bekannten.
Ich frage dich:
Habst du schon einmal das gurgelnde Wasser
eines Bachs murmeln gehört?
Das Wort anderer, bettelnd um einen schmalen Platz
im Schaukelstuhl deiner Eitelkeit?
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Ich nehme zur Kenntnis, dass du in der Lage bist
bis zur Übersättigung zu sprechen
erzähl mir nicht, was dein überladenes Gehirn denkt
ich ziehe es vor, deinem Herzen zuzuhören
wenn der Herzschlag
seinen Weg in das Dickicht findet.
Montag, 29. Februar 2016
KINO
Ich geniesse die Gemütlichkeit des Kinos bei der Vorführung
nach dem Mittagessen, drei oder vier Zuschauer genügen mir als
Begleiter. Die Sitze erholen sich von den aufsässigen Hintern,
während es sich im Kino-Saal prächtig durchatmen lässt. In der
Regel sind zu dieser Stunde die meisten Leute mit administrativen
Schwierigkeiten beschäftigt, mit der Verbesserung ihrer
Muskulatur im Fitnessraum oder mit Shoppen im Einkaufsparadies
– letzteres ein immer beliebterer Sport.
Wenn die Szene auf der Leinwand nicht einen Hauch Grazie zeigt,
gibt es keine Notwendigkeit, unnötiges Lachen zu teilen, das
macht schon die Hälfte des Eintrittspreises wett. In dieser Hinsicht
beinhalten die Komödien das höchste Risiko. Bei Krimis ziehe ich
es vor, wenn ein paar Zuschauer mehr erscheinen.
Wie der geliebte Javier Tomeo sagte: „Wenn du der einzige
Zuschauer bist und der Mörder dich findet, lohnt es sich nicht, um
Hilfe zu bitten.“
SCHATTEN
Mein Schatten ist mein Coach. Er erinnert mich ab und zu, dass
ich das Fotografieren vor der Überdosis beenden soll, bevor ein
„Fotokater“ mich flachlegt. Er tritt dann zwischen meine Netzhaut
und das Objektiv, um die Sucht zu bremsen. Mein Schatten steigt
mit mir in die Höhe, er zeigt mir die Lebensfähigkeit und die
Zerbrechlichkeit der Phantasien, die in mir leben. Er warnt mich,
dass ich mich in jedem Moment in einen Riesen, einen Adler,
einen Affen oder einen kitzekleinen belanglosen Typen
verwandeln kann.
Dem gleichen Schatten gelingt es, mich verschwinden zu lassen, wenn ich ihn langweile.
Dem gleichen Schatten gelingt es, mich verschwinden zu lassen, wenn ich ihn langweile.
MIT MIR
Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, mich mit mir selbst zu
unterhalten. Ich gehöre zu dieser bestimmten Art von Menschen,
die auf der Strasse mit sich selbst sprechen. Wenn ich zu Hause
keine Konversationspartner habe oder unterwegs keine finde und
ich schon alle notwendigen Anrufe der Woche erledigt habe, rede
ich mit meinem Unterbewusstsein. Wir sind auf der gleichen
Wellenlänge, wir haben keine Meinungsverschiedenheiten. Einige
Tage brauche ich niemanden, der mir die Kastanien aus dem Feuer
holt. Der Gedankenaustausch zwischen meinen beiden „Ich“ ist
dynamisch, beruhigend und friedlich. Manchmal bekomme ich
sogar Lust zu singen,
und ich singe...
AVOCADO
Ich frage meine Avocadopflanze: warum verwelkst du? Was
fehlt dir? Mehr Licht, mehr Wärme, mehr Gesellschaft?
Ich habe alles, was ich brauche, antwortet sie. Du behandelst mich zärtlich, bist ein gutherziger Mensch, aber mein Leben ist nicht gemacht, um innerhalb von vier Wänden zu leben, ich bin ein Baum.
Ich habe alles, was ich brauche, antwortet sie. Du behandelst mich zärtlich, bist ein gutherziger Mensch, aber mein Leben ist nicht gemacht, um innerhalb von vier Wänden zu leben, ich bin ein Baum.
iPHONE
Atemberaubender Junge, ein grosser Jongleur bist du! Versuchst
zu zeigen, wie gut du mit deinem iPhone umgehen kannst. Du
nimmst es mit der linken Hand aus der rechten Hosentasche, um es
dann mit zwei Fingern zum linken Ohr zu bringen. Wenn du
tatsächlich deine Geschicklichkeit und Unabhängigkeit von diesem
Gerät beweisen willst, dann nimm das Gerät fest in die Hand und
wirf es hoch und kräftig weit durch die Luft in die Gewässer des
Zürichsees – mit der Parabel eines Fussballs vor dem Eintreffen
ins Goal.
Das ist das wahrhaftige Benehmen eines Champions!
Das ist das wahrhaftige Benehmen eines Champions!
WUNDERKIND
Der gelehrte Junge prahlte vor dem pummeligen Kind:
Ich habe die Musiktheorie in nur zwei Jahren absolviert, während du so lange gebraucht hast, um nur ein Schuljahr zu bestehen. Meine Eltern werden mich nach London begleiten, sie haben mir ein Stipendium für eine der besten Musikhochschulen genehmigt. Ich werde auf der ganzen Welt spielen können, berühmt werden und Millionär sein.
Ich habe die Musiktheorie in nur zwei Jahren absolviert, während du so lange gebraucht hast, um nur ein Schuljahr zu bestehen. Meine Eltern werden mich nach London begleiten, sie haben mir ein Stipendium für eine der besten Musikhochschulen genehmigt. Ich werde auf der ganzen Welt spielen können, berühmt werden und Millionär sein.
Die mollige Junge antwortete:
Hör mal, ich singe im geheimen für das rothaarige Mädchen, das du sehr liebst, das dich aber immer ignoriert und mich endlos anlächelt.
Ich habe viele Prüfungsfragen absichtlich falsch beantwortet: ich sagte, dass Karl der Grosse die USA und Alaska erobert hätte und dass vier mal vier achtzehn wären. Ich bin jetzt der erfahrenste der Klasse, weil ich alles schon weiss. Meine Mitschüler schätzen und bewundern mich.
Ich habe vor, im nächsten Jahr die gleiche Klasse zu wiederholen; so muss ich nie aufhören, die Kindheit zu geniessen.
Ich habe keine Eile, so starr wie deine Eltern und so langweilig wie du zu werden.
Hör mal, ich singe im geheimen für das rothaarige Mädchen, das du sehr liebst, das dich aber immer ignoriert und mich endlos anlächelt.
Ich habe viele Prüfungsfragen absichtlich falsch beantwortet: ich sagte, dass Karl der Grosse die USA und Alaska erobert hätte und dass vier mal vier achtzehn wären. Ich bin jetzt der erfahrenste der Klasse, weil ich alles schon weiss. Meine Mitschüler schätzen und bewundern mich.
Ich habe vor, im nächsten Jahr die gleiche Klasse zu wiederholen; so muss ich nie aufhören, die Kindheit zu geniessen.
Ich habe keine Eile, so starr wie deine Eltern und so langweilig wie du zu werden.
IGEL
Ich spreche mit einem Igel im Garten. Nur in ein paar heissen
Nächten dieses mageren Schweizer Sommers begegne ich ihm. Ich
frage ihn, wie es seiner Familie geht. Er antwortet:
Schau, ihr stellt uns hier eine schöne Ecke zur Verfügung und wir sind dankbar dafür, aber es war nicht genügend Platz für vier. So zogen die Jungen los, um einen anderen Ort zu finden und mein Weibchen konnte den Winter nicht überleben und ist verstorben. Hier in der Nähe wurden zwei weitere Wohnblocks gebaut. Unsere Vorfahren lebten dort, als die Häuser kleiner waren und die Gärten grösser. Wir Igel und andere Tiere werden bald verschwinden müssen, weil ihr immer mehr Platz beansprucht, mehr als euch zusteht. Ihr werdet ebenfalls so enden, dicht gedrängt, aber einsam und verzweifelt, weil eurem Leben jeder Sinn fehlt.
Schau, ihr stellt uns hier eine schöne Ecke zur Verfügung und wir sind dankbar dafür, aber es war nicht genügend Platz für vier. So zogen die Jungen los, um einen anderen Ort zu finden und mein Weibchen konnte den Winter nicht überleben und ist verstorben. Hier in der Nähe wurden zwei weitere Wohnblocks gebaut. Unsere Vorfahren lebten dort, als die Häuser kleiner waren und die Gärten grösser. Wir Igel und andere Tiere werden bald verschwinden müssen, weil ihr immer mehr Platz beansprucht, mehr als euch zusteht. Ihr werdet ebenfalls so enden, dicht gedrängt, aber einsam und verzweifelt, weil eurem Leben jeder Sinn fehlt.
Ich wusste schon, dass Igel intelligent sind, jetzt bin ich überzeugt,
dass sie die durchschnittliche Intelligenz eines Menschen
übertreffen.
TEMPO 20
Ich spaziere durch meine Strasse, die Kinder spielen zwischen
der Bremsschwelle und dem Brunnen. Ihre Schreie und ihre
geladenen Wassergewehre lassen mich vermuten, sie spielen
gerade Krieg. Ein Auto nähert sich aus entgegengesetzter
Richtung, fährt schnell, ich habe keine Absicht mich zur Seite
stellen. Der Kerl hält plötzlich an, öffnet das Fenster und fragt
mich – schreiend – ob ich ein Problem habe. Ich antworte:
glücklicherweise keins; letzte Nacht schlief ich tief und träumte,
ich spaziere mit Sharon Stone durch Manhattan, und weil ich seit
langem keinen Arzt aufsuchen musste, habe ich das Fehlen von
Schrauben in meinem Kopf noch nicht bemerkt.
Ich frage den Autofahrer, ob er gemerkt habe, dass hier eine
„Begegnungszone“ ist, also eine Strasse, auf der man mit maximal
Tempo 20 fahren darf. Er antwortet, dass er das weder wisse noch
dass ihn das kümmere – er lügt. Ich erkundige mich bei ihm, ob
sich das Autofahren überhaupt lohnt, wenn man nur 20 km/h
fahren kann und auch noch bremsen muss. Er könnte die Strecke
mit dem Fahrrad oder zu Fuss viel schneller bewältigen. Er fragt
mich, ob ich ihn für einen Dummkopf halte. Ich antworte,
unbedingt und auch für einen arroganten Zyniker, der glaubt, die
Strasse gehöre ausschliesslich ihm, und dass er ein wenig mehr
Schlaf benötigen könnte, um über eine bessere Stimmung zu
verfügen.
APOTHEKEN
Apotheken waren die ersten Sexshops meiner Generation. Unter
dem Franco-Regime war in Spanien Mitte der 70er Jahre
Teenagern der Kauf von Kondomen verboten. Wir verlangten sie
unter dem Vorwand, sie seien für unseren grossen Bruder. Der
Apotheker guckte über die Brille, warf einen raschen Blick zur
Türe, um uns dann unter dem Brillenrand anzuschauen, während er
uns mit einem komplizenhaften Lächeln die begehrte Schachtel
überreichte. Um andere Ausrüstung für pompösere Disziplinen
und sexuelles Amüsement zu kaufen, musste man damals über 21
Jahre alt sein und ein gut genährtes Portemonnaie besitzen, dieses
ermöglichte die Reise auf die andere Seite unserer besonderen
„Berliner Mauer“: die Stadt Perpignan in Frankreich.
MÜCKE
Ich hatte immer das Gefühl, dass die Mücke, abgesehen davon,
dass sie eines der aufdringlichsten und nervigsten Insekten ist,
einen geringen, ihrer Kleinheit entsprechenden
Intelligenzquotienten hat. Ein Zweifel beschäftigt mich: untersucht
man ihr Genom, ist es dem des Menschen sehr ähnlich – mit einem
bemerkenswerten Unterschied: wir hausen seit 50’000 Jahren hier
auf der Erde, aber sie seit mehr als 200 Millionen.
An diesem schwülen Sommernachmittag umkreist ein hartnäckiger
Verdacht mein Gehirn und löst sich nicht: sind sie wirklich klüger
als wir? Eine Möglichkeit, die nicht ausgeschlossen werden kann,
wenn wir den grossen Anteil der Dummheit unserer Spezies
betrachten.
Mücken-Männchen ernähren sich von Pflanzensäften, die
Weibchen beissen; sie brauchen das Kohlendioxid und die
Milchsäure unseres Schweisses. Und unser Blut, um Eier zu
produzieren. Wenn sie unseren Körper beissen, spritzen sie ein
Antikoagulant und ein Analgetikum ein, deren Wirkung – leider –
nicht lange andauert, eine nette Geste, die aber unseren Ärger nicht
besänftigt.
Auch wenn Mücken zugegebenermassen Schmerzen verursachen:
ihre Lebensdauer ist viel geringer als die unsere, ihre Intelligenz
aber nicht.
CHIMÄRE
Einige wissen es bereits, die Chimäre ist ein Fabelwesen, das
Flammen spuckt; sie hat einen Löwenkopf, einen Ziegenbauch und
den Schwanz eines Drachens.
Die Chimäre liebt es, in den unruhigen und geheimnisvollen
Nächten zum Klang nachtwandelnder Kirchenglocken spazieren
zu gehen. In jenen Augenblicken, in denen tausende schlafende
Seelen ihre Brillianz in der Aura der Träume erkunden.
Eine Fata Morgana in der Nacht: Splitter des Glücks, die sich nicht
von den Wänden des Lebens lösen.
Die hartnäckigsten Träumer werden in einer anderen Nacht
versuchen, sie wieder zu holen, nicht entmutigt, aber hoffnungslos.
Ebenso wie es die Milde tut, verstummt auf dem Gewand der
Justizia.
WOCHE
Der Sonntag verschwindet so schnell wie eine Tafel
Schokolade. Seine Existenz kann so vergänglich sein wie die der
Hostie, die sich im Mund des Gläubigen auflöst.
Die Montage vergehen unbemerkt, die Schuhmacher sind
glücklich und die Welt gähnt.
Dienstag und Mittwoch sind verwechselbar wie Zwillingsbrüder.
Der gleiche Katalog für zwei Tage.
Donnerstag ist das Rätsel der Woche. An jenem Tag kann
irgendetwas spriessen: ein Termin mit einem Psychologen, der
Zirkusbesuch, eine weitere hoffnungsvolle Verabredung mit einer
potenziellen Freundin – annulliert wegen einer inexistenten
Erkältung, ein Sturm am Ausgang des Supermarktes oder die
Familie, die sich schon wieder zankt.
Freitag ist der Optimist der Woche: da erscheinen Pläne für das
Wochenende, ein wenig Freude bezieht den Kühlschrank und lädt
dich ein, Chefs, Mitarbeiter und Spielverderber zu vergessen.
Samstag ist, unabhängig von der Kontinentallage, in der wir uns
befinden, das Nirvana der Woche: entweder verschlingen wir ihn
gänzlich – bei Tag und bei Nacht – oder wir kosten ihn langsam
und ewig, so wie es Buddha tun würde.
Am Sonntag kehren die Geschwindigkeit und die Schokolade
zurück. Wenn Wahltag ist und wie üblich diese schlechten und
hässlichen Individuen gewinnen, die wir uns nie wünschten,
sollten wir über eine gute Portion Alkohol und Rauschmittel
verfügen. Um den „mentalen Winterschlaf“ unserer schweigenden
Mehrheit leichter zu verdauen.
DRUCKENTLASTUNG
Ein Herzschlag explodiert
der Sturm ist geboren, er schreit: Steh auf!
Strecke die Arme durch die Windung eines Wunsches
zerschmettere die Worte an der Klippe der Träume
lebe diesen Tag wie eine neue Welle es tut,
verschlinge den Sand!
Dein aprikosenartiges Lächeln rutscht über deine nackte Haut,
zögere nicht, dein Schicksal wartet am Rand des Wassers,
tauch ein!
der Sturm ist geboren, er schreit: Steh auf!
Strecke die Arme durch die Windung eines Wunsches
zerschmettere die Worte an der Klippe der Träume
lebe diesen Tag wie eine neue Welle es tut,
verschlinge den Sand!
Dein aprikosenartiges Lächeln rutscht über deine nackte Haut,
zögere nicht, dein Schicksal wartet am Rand des Wassers,
tauch ein!
UNTERGESCHOSS
Eine linke Socke erzählt der rechten: Hör mal, was ich dir als
nächstes sagen werde, ist hart, und ich werde dir damit weh tun.
Nach der nächsten Wäsche möchte ich verschwinden und nicht
mehr zum Schrank zurückkommen. Ich bin erschöpft, zu viele
Jahre lang musste ich Gewicht, Kratzen, Feuchtigkeit und Gerüche
erdulden. In all dieser Zeit haben wir keine Geste des Dankes
erhalten. Nur an einigen Sommernachmittagen wurden wir an der
Sonne auf dem Balkon aufgehängt. Ich bin mir bewusst, dass ich
dich allein lasse und dass es in diesem Alter sehr schwierig ist,
einen neuen Partner zu finden. Ich möchte, dass du weisst, dass ich
sehr dankbar bin, dass wir zusammenleben konnten. Ich genoss all
die guten Momente des Glücks an deiner Seite und es ist sehr
angenehm, mit dir zu schlafen. Aber ich kann es nicht mehr
ausstehen, diese Füsse sind zu anstrengend und undankbar.
MATHEMATIK
Es gab eine Zeit, da konnte ich keine Tauben ertragen. Dass
diese Tierart als Symbol des Friedens gilt, auch für angesehene
Künstler wie Pablo Picasso, schien mir wie fauler Moder. Mit der
Zeit nahm die Abneigung ab. Als ich den wahllosen und
räuberischen Instinkt der Möwen und das quälende Krächzen der
Elstern entdeckte, nahm mein Leben eine Wende um 180 Grad.
Jetzt nisten im Garten ein paar Türkentauben. Jeden Nachmittag
flattern sie herunter bis zur Mitte des Holunderbaums und wir
begrüssen uns mit Freude, fast mit Hingabe. Ich habe eine neue
Freundschaft gewonnen, dafür nun aber zwei neue Feinde. Die
Mathematik geht nie ganz auf, es steckt immer ein Wurm drin.
WIR
Wir
die durch die vielen Strassen schlendern
die Dutzende von Türen öffnen
Hunderte von Stufen rauf und runter gehen
Tausenden von Menschen begegnen
legen unsere Köpfe auf Kissen
und ruhen viel zu oft alleine aus
gehen alleine und kommen alleine zurück
Wir
einfache Wesen, aufgeregte, sanfte, expansive Einsiedler,
die leise Gespräche mit der Einsamkeit führen
während wir die Wäsche aufhängen
GEGENSTÄNDE
Ein Paar Handschuhe sieht sich an, nachdem es viele Finger
angezogen und viele Körper umarmt hat. Die Mützen, oben auf
dem Schrank untergebracht, wärmen sich gegenseitig auf,
nachdem sie niedrige Temperaturen ertragen mussten. Jacken
hängen an Kleiderbügeln, sie entspannen sich von den kräftigen
Schultern und breiten Rücken. Die Kopfkissen machen gemeinsam
ein Nickerchen, sie umsorgen sich nach dem Sturm der Träume.
HAMMAN
Ich liege im Hamman und höre gegen meinen Willen das
irritierende Geschwätz eines Paares Mitte dreissig. Ich stehe auf,
suche eine ruhige Ecke, um meine Füsse in ein Becken zu legen.
Ein neues Kakadu-Paar flattert nah um meine Ohren.
Mit Menschen, die immer brennend begeistert sind, kann sich ein
Hamman – wie ein Planschbecken im Hochsommer – in eine echte
Qual verwandeln.
ZWIETRACHT
Sie kommt aufgeregt, stolpernd. Er sitzt schon da, mit einem
Drink vor sich auf dem Tisch, schlägt nervös die Spitze seines
rechten Schuhs auf den Boden. Sie tauschen ein paar Worte aus,
spielen ein wenig hysterisches Theater, mitten im Strudel knallen
ein paar Schreie gegen die Wände. Beide stehen auf und gehen in
entgegengesetzte Richtungen. Sie haben nichts gelöst. Sie werden
sich in einer Woche in der gleichen Cafeteria treffen, beide hinter
ihrem Handy verbarrikadiert. Die Trennung kommt näher.
Manchmal träumen wir von idyllischen und andersartigen Orten,
fern, ruhig, mit anderem Lebensstil. Aber die Paradiese existieren
längst nicht mehr. Nicht weil Eva in den Apfel gebissen hat und
wir alle aus Eden verbannt wurden, sondern weil eine Bande von
organisierten Verbrechern alles beherrscht – Holdings, Trusts,
Finanzinstitute, Finanzinstitutionen, Grosskonzerne, Versicherungen... – sie haben alles gestohlen.
SMARTPHONE
Dein Smartphone manipuliert dich, so wie ein Forscher es mit
einer Maus im Labor tut, auch wenn es dir gegenteilig scheint. Du
schaltest es nach Belieben ein und aus und glaubst, mit dieser
unmerklichen digitalen Bewegung Leben zu geben oder zu
nehmen. Wenn du annimmst, letzteres getan zu haben, irrst du.
Sein Herz schlägt schläfrig weiter, es weiss, dass du bald wieder
eine Verbindung herstellen wirst.
Donnerstag, 7. Januar 2016
REISE 4
Es kommt das Boot
mit einer neuen Welle,
bringt salzige Träume
von Muscheln
Die Welle geht zurück
mit neuem Leben
Meer der Hoffnung
weite Seele
Es kommt das Leben
mit einer neuen Liebe
lächelndes Herz
Hafen der Sonne
Die Liebe geht zurück
in der Dämmerung
sie küsst deine Küsse
und streichelt deine Seele.
mit einer neuen Welle,
bringt salzige Träume
von Muscheln
Die Welle geht zurück
mit neuem Leben
Meer der Hoffnung
weite Seele
Es kommt das Leben
mit einer neuen Liebe
lächelndes Herz
Hafen der Sonne
Die Liebe geht zurück
in der Dämmerung
sie küsst deine Küsse
und streichelt deine Seele.
REISE 2
Die Landschaft verliert ihre Rauheit
und zeigt ihr Relief
Die Kupfertextur ihrer Haut
schreibt ein Gedicht
zeichnet suggestive Silhouetten
hoch über den Hügeln
projiziert prachvolle Schatten
auf die Ebene.
Irgendwo, abgelegen aber nicht zu weit entfernt,
Beobachtet sie gelassen die Parade der Tage
mit dem Surren eines Radios, oben
auf der Fensterbank eines unvergänglichen alten Hauses
wartet eine Seele auf die Chance, dich zu treffen.
Die Landschaft verliert ihre Rauheit
und zeigt ihr Relief
Die Kupfertextur ihrer Haut
schreibt ein Gedicht
zeichnet suggestive Silhouetten
hoch über den Hügeln
projiziert prachvolle Schatten
auf die Ebene.
Irgendwo, abgelegen aber nicht zu weit entfernt,
Beobachtet sie gelassen die Parade der Tage
mit dem Surren eines Radios, oben
auf der Fensterbank eines unvergänglichen alten Hauses
wartet eine Seele auf die Chance, dich zu treffen.
Mittwoch, 6. Januar 2016
VIVIRÉ – ICH WERDE LEBEN – (Patagonien)
Rechts der Nationalstrasse 40
in Richtung Süden
am Nabel des Piltriquitrón angelehnt
diesem Mutterberg, der niemals blinzelt
rauschen die Wässer zwischen Puelo und Epuyén1
das Haupt des Indio2 blickt nachdenklich
zum Herzen der Andenkette empor.
Ich liege im Dickicht goldener Zypressen
im dichten Grasland einer Finca weich gebettet
und höre die kleinen Bäche rhythmisch pochen.
Der Kiebitz gleitet elegant über das Wasser
unter dem Himmel der Blütenblätter des Pataguas3
und dem prächtigen Regenbogen des Weisshals-Ibisses.
Der Palo Santo4 schiebt ein Alfajor5 in den Gaumen
Ich frühstücke „Poetische Patagonische Aktion“:
„Manchmal küsse ich deinen Verstand
manchmal verstehe ich dich nicht“.
Das Leben schmilzt wie das reine Eis des Schlaraffenlandes.
Dort, wo ich mich an einen Wegweiser klammere
wie in einem Tango, verkünde ich:
„es war eine Liebe, dich zu besuchen, mein Vergnügen“.
PS: Für Viviana Re, ihr Sein und Leben.
Für die grossartigen Mauer-Inschriften der „Acción Poetica“
und für „Jauja“ – die beste Eisdiele Argentiniens.
1 Epuyén und Puelo: Seen in El Bolsón
2 Haupt des Indio: berühmte Felsen in El Bolsón 3 Pataguas: Strauch
4 Palo Santo: Holzlöffel
5 Alfajor: typisches argentinisches Gebäck
in Richtung Süden
am Nabel des Piltriquitrón angelehnt
diesem Mutterberg, der niemals blinzelt
rauschen die Wässer zwischen Puelo und Epuyén1
das Haupt des Indio2 blickt nachdenklich
zum Herzen der Andenkette empor.
Ich liege im Dickicht goldener Zypressen
im dichten Grasland einer Finca weich gebettet
und höre die kleinen Bäche rhythmisch pochen.
Der Kiebitz gleitet elegant über das Wasser
unter dem Himmel der Blütenblätter des Pataguas3
und dem prächtigen Regenbogen des Weisshals-Ibisses.
Der Palo Santo4 schiebt ein Alfajor5 in den Gaumen
Ich frühstücke „Poetische Patagonische Aktion“:
„Manchmal küsse ich deinen Verstand
manchmal verstehe ich dich nicht“.
Das Leben schmilzt wie das reine Eis des Schlaraffenlandes.
Dort, wo ich mich an einen Wegweiser klammere
wie in einem Tango, verkünde ich:
„es war eine Liebe, dich zu besuchen, mein Vergnügen“.
PS: Für Viviana Re, ihr Sein und Leben.
Für die grossartigen Mauer-Inschriften der „Acción Poetica“
und für „Jauja“ – die beste Eisdiele Argentiniens.
1 Epuyén und Puelo: Seen in El Bolsón
2 Haupt des Indio: berühmte Felsen in El Bolsón 3 Pataguas: Strauch
4 Palo Santo: Holzlöffel
5 Alfajor: typisches argentinisches Gebäck
PENISFINSTERNIS
– Ein Einfall am Strand von Monte Hermoso, Argentinien –
Sie ereignet sich beim Mann, wenn er den Blick nach unten senkt
und den Oberkörper nach vorn kippt. Auf den ersten Blick sieht
man nur nur einen Hängebauch. Diese Truhe, in der viele Männer
ihre geheimen Schätze aufbewahren: Würste und Fässer voller
Bier. Dieses Kissen, das Frauen gerne für ein Nickerchen am
Strand benutzen. Das beliebteste Möbelstück des Hauses: eine Art
Sofa vor dem Fernseher.
Versenkt zwischen den Fettpolstern, könnte, wie eine verloren
gegangene und wiedergefundene Socke, der Penis erscheinen, wie
die Imitation eines Werkes von Gaudí, das die männliche
Wohnung schmückt.
FERDINAND ON LINE
Er liebte Computer. Alle Modelle, alle Farben, alle Grössen. Da
war sein Leben, seine Arbeit, die Tanzfläche, Sex mit seinen
digitalen Stars, Kino, Shop, Sportplatz, Familie, Freunde und
Feinde. Da hatte er alles und jeden. Er brauchte nur zwanzig
Minuten pro Tag, um mit den Hunden spazieren zu gehen – sein
schmales Budget reichte nicht für den Hundesitter.
Das Telefon klingelte, es war seine Freundin Claudia, sie wollte
zum x-ten Mal die Vorbereitungen für den Urlaub in Brasilien
besprechen. Abgelegene und wilde Strände weit ab der
Zivilisation, schöne Hütten, niemand, nichts, ohne Flying-Pizza
und ohne Internet. Nur Caipirinha und Bananen. Ein „Fünf-Sterne-
Film“.
Er hat sich standhaft geweigert, rundum und kategorisch, so wie
die schöne Silhouete von 115 Kilos seiner somatischen
Faszination. Er hat ihr gesagt, dass er glücklich sei in dieser einen
Dimension und dass er keine andere entdecken wolle.
Ausserhalb des Internets? Unmöglich!
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