Montag, 29. Februar 2016


WOCHE 

Der Sonntag verschwindet so schnell wie eine Tafel Schokolade. Seine Existenz kann so vergänglich sein wie die der Hostie, die sich im Mund des Gläubigen auflöst. 

Die Montage vergehen unbemerkt, die Schuhmacher sind glücklich und die Welt gähnt. 

Dienstag und Mittwoch sind verwechselbar wie Zwillingsbrüder. Der gleiche Katalog für zwei Tage. 

Donnerstag ist das Rätsel der Woche. An jenem Tag kann irgendetwas spriessen: ein Termin mit einem Psychologen, der Zirkusbesuch, eine weitere hoffnungsvolle Verabredung mit einer potenziellen Freundin – annulliert wegen einer inexistenten Erkältung, ein Sturm am Ausgang des Supermarktes oder die Familie, die sich schon wieder zankt. 

Freitag ist der Optimist der Woche: da erscheinen Pläne für das Wochenende, ein wenig Freude bezieht den Kühlschrank und lädt dich ein, Chefs, Mitarbeiter und Spielverderber zu vergessen. 

Samstag ist, unabhängig von der Kontinentallage, in der wir uns befinden, das Nirvana der Woche: entweder verschlingen wir ihn gänzlich – bei Tag und bei Nacht – oder wir kosten ihn langsam und ewig, so wie es Buddha tun würde. 

Am Sonntag kehren die Geschwindigkeit und die Schokolade zurück. Wenn Wahltag ist und wie üblich diese schlechten und hässlichen Individuen gewinnen, die wir uns nie wünschten, sollten wir über eine gute Portion Alkohol und Rauschmittel verfügen. Um den „mentalen Winterschlaf“ unserer schweigenden Mehrheit leichter zu verdauen.



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